Warum ich das Häkeln liebe

Lesedauer 5 Minuten
„Eine lächelnde Person in einem blauen Häkel-Top hält Häkelnadeln. Daneben steht der Text ‚Mein Weg zur Häkeldesignerin‘ auf einem sanft violetten Hintergrund.

Einführung: Warum ich häkle – und warum ich nicht mehr damit aufhören kann

Wenn ich heute an alle meine selbstgehäkelten Pullover denke, dann wirkt es fast, als hätte es schon immer so sein sollen.
Als wäre Häkeln einfach „mein Ding“.

Nur… war nicht immer so.

Meine Liebe zum Häkeln war keine dieser filmreifen „Liebe auf den ersten Blick“-Geschichten. Eher eine auf-den-zweiten-Blick-und-mit-einigen-Umwegen-Geschichte. So eine Art Liebesgeschichte, bei der man im Rückblick schmunzeln muss, weil der Anfang… nun ja … sagen wir einfach „experimentell“ war.

Genau das möchte ich erzählen: Warum ich so verrückt nach dem Häkeln bin, wie mich dieses Handwerk durch Schwangerschaft, Babychaos und kleine Pannen begleitet hat und wie daraus irgendwann – fast heimlich – maßgeschneiderte (besser maßgehäkelt 🤣) Häkelpullover für Frauen entstanden sind.


Wie alles begann: Zwischen Berufsverbot und Babybauch

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, arbeitete ich als Laborantin – bis mir wegen der Chemikalien ein Berufsverbot erteilt wurde. Chemikalien und Babybäuche passen einfach nicht zusammen.

Plötzlich hatte ich Zeit. Viel Zeit. Eine Art unfreiwillige Pause, in der man erst nicht weiß, wohin mit sich.

Und genau da passierte es.
Ich griff zur Häkelnadel.

Zum ersten Mal nicht „einfach nur mal so“ wie früher an kranken Tagen, als ich irgendwo im Internet grausige Anleitungen fand und nicht verstand, warum Stäbchen und halbe Stäbchen nicht das gleiche sind🤷🏻‍♀️.
Sondern diesmal richtig.

Mit Buch.
Mit System.
Mit ehrlichem Willen, es zu lernen.

Und ich sog alles auf wie ein Schwamm.

Das einzige Chaos, das mich in dieser Zeit begleitete, war das Gefühlschaos – und das Babychaos im Bauch. Aber das Häkeln? Das war mein Anker. Mein ruhiges „Ich mache jetzt etwas für mich“.


Mein erster Pullover – und die Wahrheit über Baumwolle

Natürlich war eines meiner ersten Projekte ein Pullover für meine Tochter.

Ich war stolz wie ein Kind, das zum ersten Mal Fahrrad fährt.

Nur leider… nahm ich viel zu dicke Baumwolle.

Der Pullover wirkte steif, nicht so weich wie erhofft.
Aber an Kleinkindern sieht irgendwie alles süß aus, also habe ich ihn gefeiert wie ein kleines Meisterwerk.

Ein Kleinkind in einem gestreiften Pullover und blauen Hosen zeigt neugierig in einem gemütlichen Raum mit Holzboden, neben dem eine große Tasche mit Kürbis-Motiv steht.
Das ist bisher das einzige Bild, was ich von meinem ersten Häkelpullover gefunden habe. Vielleicht finde ich noch eins in besserer Qualität ☺️

In der zweiten Schwangerschaft häkelte ich das Pullover- Modell nochmal für meine beiden Kinder- diesmal mit dünnerer Baumwolle.
Und da kam er: mein erster Aha-Moment.

Zwei Kinder liegen auf einer roten Fläche. Das Baby in buntem Schlafanzug und das ältere Kind in gelben Latzhosen, beide in gestreiften Pullovern, halten sich an den Händen und schauen sich liebevoll an.
Sind sie nicht niedlich – die Zwei?!!💕

Die Wahl der Wolle ist wichtig. Nicht kompliziert, nicht übertrieben – einfach unverzichtbar.

Ich begriff zum ersten Mal, dass Faserart und Dicke der Wolle nicht nur Worte in einem Buch sind, sondern entscheidend dafür, ob ein Oberteil am Ende tragbar ist.


Zwei Cardigans, zwei Fehler – und zwei wichtige Erkenntnisse

Während ich schwanger mit meinem Sohn war, wollte ich endlich auch mal etwas für mich häkeln.

Fehler Nummer 1: Ich nahm super dünne Wolle.
Fehler Nummer 2: Ich häkelte stur nach Größe M. (Weil ich im Laden ja auch M kaufe…)

Das Ergebnis?

Bei meiner ersten Jacke zog sich das Projekt ewig hin, was an der extrem dünnen Wolle lag. Beim Häkeln merkte ich außerdem, dass die Ärmelnaht von der Achsel bis zum Bündchen komplett zusammen genäht werden musste. Heute weiß ich, wie das auch nahtlos funktioniert.

Am Ende des Jacken- Projektes stellte ich zudem fest, dass meine Jacke viel zu viel Stoff unter den Achseln hatte, wodurch sie beim Tragen unförmig aussieht.

Eine Person trägt eine leuchtend rote, mehrfarbige Strickjacke mit Knopfleiste und schwarze Hosen. Die Szene spielt sich drinnen ab, mit neutralen Wänden und hellen Holzmöbeln.
Meine erste Häkeljacke: Unperfekt, aber ich lieb sie trotzdem ☺️

Die zweite Jacke war dagegen schon nach drei Monaten fertig. Sie entstand sogar vor der ersten, denn diesmal hatte ich die bessere, anfängerfreundlichere Wahl getroffen: dickere Wolle. Das Ergebnis war gemischt – im Brustbereich passte sie, doch über dem Bauch spannte sie, und an den Schultern saß er nicht richtig. Heute weiß ich genau, wie ich diese Probleme hätte vermeiden können.

Ich war trotzdem stolz.
Stolz darauf, dass ich überhaupt etwas erschaffen hatte. Und du kennst dieses Gefühl vielleicht:
Das erste Kleidungsstück, das nicht perfekt ist, aber deins.


Der Wendepunkt: Stricken (und was es mich über Passform lehrte)

Irgendwann – meine Tochter war inzwischen geboren – wollte ich doch mal Stricken ausprobieren.

Und dafür kaufte ich eine Anleitung von Christina Körber-Reith (Strickauszeit Designs).
Sie hatte eine Maßtabelle, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

Ich schaute hinein und dachte:

„Moment… meine Schulterbreite ist Größe S, meine Brust M und die Hüfte L?! Kann das sein?“

In einem Forum fragte ich nach – und wurde an Monica Leoid (knittinginspaceships) verwiesen.
Sie ist eine Expertin für maßgeschneiderte Strickpullover, gibt Workshops auf Festivals und beantwortete meine Frage so gelassen, dass ich lachen musste:

„Ja. Das ist ganz normal.“

Und da war er.
Mein zweiter Aha-Moment:

Ein Körper richtet sich nicht nach Größentabellen.
Also sollte ein Pullover das auch nicht tun.

Diese Erkenntnis hat alles verändert.


Vom Strickwissen zum Häkelwissen – und der große „Wow“-Moment

Später besorgte ich mir ein amerikanisches Buch über perfekt sitzende Strickpullover. Nach Wochen kam es endlich an, und ich las es von Anfang bis Ende wie einen Roman.

Und ich wusste:
Das will ich für meine Häkelpullover auch.

Natürlich musste ich vieles anpassen – Häkelmaschen haben andere Höhen, andere Breiten, andere Eigenheiten.
Aber die Grundlagen für Passform? Die gelten überall.

Ich las mehr Bücher.
Ich lernte über Wolle – welche Fasern atmen und welche sich für Pullover, Mützen oder Deko eignen.
Ich experimentierte.
Ich trennte auf. Oft. Sehr oft.

Und dann passierte es irgendwann:

Ich entwarf meinen ersten eigenen Pullover.

Eine Frau mit langen braunen Haaren und einem cremefarbenen Häkelpullover steht im Freien und blickt zur Seite. Hinter ihr liegen gestapelte Holzscheite und Bäume, die eine rustikale und ruhige Atmosphäre schaffen.
Der Étoile Sweater – mein erstes Häkeldesign für Damen 💫

Heute: Meine Designs – und meine Liebe zum Häkeln

Was dann folgte?

Der Sternenpullover Étoile Sweater (bisher nur auf Englisch).
Das Muschel-Tee.
Die Lace- Muschel- Weste.
Der Spiralpullover.
Der Ärmelschal „Svenja Seelenwärmer“.
Der Lace-Muschel-Cardigan.
Und der Lace-Muschel-Bolero.

Jedes Design ein Stück meiner Geschichte.
Jeder Fehler ein Baustein.
Jeder Pullover eine Erinnerung daran, dass ich dieses Handwerk liebe – nicht weil alles sofort geklappt hat, sondern weil es nicht sofort geklappt hat.


Und wie geht’s weiter?

Ich weiß noch nicht genau, wohin der Weg führt.
Vielleicht gebe ich Workshops.
Vielleicht begleite ich Anfängerinnen bei ihrem ersten Pullover.
Vielleicht entsteht etwas ganz anderes.

Aber eins weiß ich:

Ich möchte nicht „nur Häkelanleitungen verkaufen“.
Ich möchte Frauen helfen, Kleidung zu machen, die sie wirklich tragen.
Mit Stolz. Mit Wow-Effekt.
Mit einer Passform, die nicht nur schön aussieht, sondern sich nach ihnen richtet – nicht umgekehrt.

Und wenn du mich auf diesem Weg begleiten willst, dann freue ich mich.
Sehr sogar.

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