Manche Garne machen deinen Häkelpullover tragbar – und andere solltest du lieber im Wollladen ruhen lassen
Ich erinnere mich noch genau an meine Anfänge beim Häkeln. Mein Bauch war rund und ich voller Vorfreude – in ein paar Monaten sollte mein Baby geboren werden 👶🏼.
Ich wollte endlich richtig häkeln lernen. Also kaufte ich mir voller Vorfreude ein Buch mit Anleitungen für Kinderkleidung. Die Bilder darin? Einfach bezaubernd. Kleine Häkelpullis in zarten Farben, weich und liebevoll fotografiert. Ich sah meine Tochter schon darin – eingekuschelt, selbstgemacht, perfekt.
Von Wolle hatte ich damals keine Ahnung. Ich wusste nicht, wie man die richtige Dicke auswählt, was „Lauflänge“ bedeutet oder warum manche Garne sich kratzig anfühlen. Aber eins war mir klar: Synthetik kommt mir nicht auf die Haut meines Babys. Ich selbst hatte in gekauften Acrylpullis immer geschwitzt – das wollte ich ihr ersparen.
Von Alpaka, Merino und Co. verstand ich so wenig wie ein Erstklässler, der noch glaubt, dass Lesen Zauberei ist. Also entschied ich mich für Baumwolle – atmungsaktiv und in zahlreichen Farben erhältlich.
Ich habe den Pulli meiner Tochter natürlich angezogen. Und wie das bei Kleinkindern so ist: Selbst der unförmigste Pullover sieht irgendwie süß aus.
Der Pulli war steif. Nicht schlimm genug, um ihn gar nicht zu tragen – aber auch nicht weich genug, um ihn wirklich zu lieben.
Heute weiß ich: Die Wahl der Wolle entscheidet, ob dein Häkelpulli dich umschmeichelt – oder im Schrank versauert.
In diesem Artikel zeige ich dir, woran du Garne erkennst, die einen schönen Fall haben – und welche du besser meiden solltest. Damit dein nächster Pullover nicht nur fertig wird, sondern auch getragen wird. Mit Stolz. Und mit Wow-Effekt.
Was bedeutet eigentlich „guter Fall“?
Der Begriff kommt nicht von ungefähr. Es geht ums Fallen, ganz wörtlich. Stell dir vor, du nimmst einen gehäkelten Schal, hältst ihn an einem Ende fest und lässt den Rest locker nach unten hängen.
Wäre der Fall wirklich richtig mies, dann würde der Schal fast schon stehen wie ein Brett. Klar, ganz so schlimm ist’s in der Realität nicht. Selbst ein steif gehäkelter Schal fällt irgendwie.
Aber du merkst den Unterschied sofort: Statt weich herunter zufließen, hängt er stockig und steif da, fast wie ein Untersetzer.
Und genau darum geht’s: Ein guter Fall fühlt sich fließend an: das Material schmiegt sich an, bewegt sich mit dir und erinnert eher an gestrickte oder gekaufte Kleidung.
Stell dir vor, du nimmst einen gehäkelten Schal, hältst ihn an einem Ende fest und lässt den Rest locker nach unten hängen. Ein Schal mit gutem Fall gleitet wie feiner Seidenstoff über deine Hand, legt sich sanft über deine Schultern und folgt jeder Bewegung – statt sich steif dagegenzustellen.
Also keine Topflappen-Optik (Topflappen dürfen steifer sein 😉), sondern absolut tragbar.
Und genau das entscheidet, ob dein Häkelstück tragbar wird – oder aussieht wie Deko
Garne, die einen guten Fall haben:
Garne mit gutem Fall haben meistens eins gemeinsam: eine gewisse Schwere. Genau diese Schwere sorgt dafür, dass das Material nach unten gezogen wird und weich fällt, statt steif vom Körper abzustehen.
Besonders fließend, und damit ideal für tragbare Häkelkleidung, sind zum Beispiel:
- Alpaka
- Viskose
- Seide
→ Alle drei sind weich, hochwertig und fallen sehr schön, auch bei einfacheren Schnitten.
Auch gut geeignet, auch wenn es etwas mehr Struktur hat: Merinowolle
→ Sie hat nicht den fließenden Fall wie Seide oder Viskose, ist aber trotzdem angenehm tragbar und weich.
Und dann gibt’s noch Baumwolle. Aber nicht jede Baumwolle ist für tolle Häkelpullover geeignet. Bei Babybaumwolle und Pima- Baumwolle könnt ihr eigentlich nicht falsch machen. Ich verlinke dir mal eine günstige Baumwolle, welche ich gerne zum Häkeln von Pullovern werde. Aber bitte:
→ Nur locker verhäkeln, sonst wird’s zu steif.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung:

Ich habe das Muschel Tee gehäkelt. Ein luftiges Sommeroberteil im Muschelmuster, das nicht nur gut aussieht, sondern sich auch richtig gut trägt.
Der Schlüssel? Die richtige Wolle. Ich habe mich für ein Garn aus Viskose entschieden. Die ist schön weich, leicht und mit wunderschönem Fall. Und genau das hat den Unterschied gemacht: Das Shirt fließt, statt zu stehen. Es schmiegt sich an, statt zu kratzen.
Wenn du Lust hast, dein eigenes Muschel Tee zu häkeln, findest du die Anleitung in all meinen Verkaufsshops. Und vergiss nicht: Die Wolle entscheidet, ob dein Häkelstück tragbar wird – oder im Schrank bleibt.
Welche Garne du eher meiden solltest:
Nicht jedes Garn eignet sich für gehäkelte Kleidung, auch wenn es im Knäuel erst mal ganz hübsch aussieht. Spätestens an deinem Körper zeigt sich schnell, ob es tragbar ist oder nicht.
Manche Garne fühlen sich steif an, andere kratzen oder lassen dich schwitzen, als würdest du in einer Plastiktüte stecken. Kein schönes Tragegefühl. Und der selbst gehäkelte Pullover bleibt im Schrank liegen.
Was du besser meidest:
- Standard-Baumwolle
- →Wenig bis gar nicht elastisch, wirkt eher steif. Besonders, wenn fest gehäkelt wird. Nur bei einer sehr lockeren Häkelweise einigermaßen geeignet.
- Billiges Acryl
- → ist nicht atmungsaktiv und sorgt für Hitzestau. Ich hab früher mal Acrylpullis getragen. Nie wieder.
- → In solchen Pullis war ich immer schnell geschwitzt. Deswegen rate ich sehr von reinen Acryl- Garnen ab. Ganz besonders im Alltag oder wenn du Kindern hinterherjagen muss 😂.
- Synthetik allgemein
- → Manche Mikrofasern sind zwar als „atmungsaktiv“ bekannt, aber ich meide sie dennoch. Falls ich sie verwende, dann nur gezielt und in Mischgarnen. Reines Synthetikgarn kommt für mich nicht infrage. Mischgarne können beispielsweise bei Socken praktisch sein, und wenn es sich um Merinosockengarn handelt, eignet es sich auch gut für Pullover.
Tipp aus der Praxis
Ich empfehle dir, jede Maschenprobe nicht nur zu machen, um sie mit den Maßen aus der Anleitung zu vergleichen – sondern auch als „Fühlprobe“.
Halte die Maschenprobe an empfindliche Körperstellen, um zu testen, ob das Garn kratzt. Spüre, wie es sich anfühlt – weich, rau, angenehm?
Und prüfe den Fall des Garns: Lege die Maschenprobe über eine Tischkante. Fällt sie weich nach unten oder bleibt sie eher stehen? So erkennst du sofort, ob das Garn sich für Kleidung eignet oder eher steif wirkt.
Fazit
Die Wahl des Garns entscheidet, ob dein Pulli sich weich an deinen Körper schmiegt oder im Schrank versauert. Selbst eine gute Anleitung hilft nicht, wenn das Material sich unangenehm anfühlt oder steif fällt.
Also: Augen auf bei der Garnwahl.
✅ Checkliste: Garne für tragbare Häkelkleidung
💪🏼Gut geeignet:
- ✔ Alpaka
- ✔ Viskose
- ✔ Seide
- ✔ Merinowolle (gibt etwas mehr Struktur, aber tragbar)
- ✔ Hochwertige Baumwolle (z. B. Baby- oder Pima-Baumwolle, locker gehäkelt!)
⚠️Mit Vorsicht verwenden:
- ⚠️ Mikrofasergarne (nur ausgewählte, möglichst atmungsaktive Qualitäten)
- ⚠️ Mischgarne mit Synthetik – können okay sein, je nach Anteil
❌Lieber vermeiden (für Kleidung):
- ✘ Standard-Baumwolle (wenn fest gehäkelt)
- ✘ 100 % Acryl (nicht atmungsaktiv, du wirst schwitzen)
🧶 Mein Garn funktioniert nicht. – Und jetzt?
Keine Sorge – das heißt nicht, dass dein Garn wertlos ist. Ein Garn, das in der Maschenprobe steif, formlos oder kratzig wirkt, muss nicht gleich in die Tonne. Vielleicht passt es einfach nicht für diesen Pullover – aber dafür perfekt für ein Täschchen, ein Körbchen oder robuste Deko.
Was du mit Garnen machen kannst, die keinen guten Fall haben, erfährst du bald in einem eigenen Blogartikel: → „Zweites Leben für steifes Garn – Projekte für Materialien ohne weichen Fall“
Aber manchmal funktioniert es doch 😉 Denn es gibt Methoden, mit denen du scheinbar zu steifes Garn trotzdem für Pullover verwenden kannst. Der Fall hängt nämlich nicht nur von der Garnwahl ab – auch mit der richtigen Nadelgröße, Musterwahl oder Verarbeitung kannst du einiges rausholen.
Ob das dann wirklich für Kleidung reicht, erkläre ich dir ausführlich in einem der nächsten Blogartikel. → Bleib dran oder abonniere meinen Newsletter, damit du nichts verpasst!
👉 Und jetzt du: Hast du schon mal ein Kleidungsstück gehäkelt, das nie getragen wurde? Lag es am Garn? Erzähl’s mir gern in den Kommentaren – oder teil den Artikel mit jemandem, der auch gerne Kleidung häkelt, aber bei der Garnwahl noch unsicher ist.

Häkeln ohne Rätselraten und mit ganz viel Wow- Effekt✨
Du willst Häkelpullis, die nicht im Schrank versauern? Ich zeige dir, wie’s geht – mit Tipps, echten Erfahrungen und einem Blick hinter die Kulissen.

